Kubus Ingelheim

Kubus Ingelheim

Eine Achtecksäule mit einer Blüh-, Kräuter- und Duftwiese. Mit essbaren Leckereien. Zum Ankuscheln und Abkühlen. Zu finden am Stiftsplatz in Landau in der Pfalz.

Kubus Ingelheim

Dimensionen

  • Höhe: 180 cm (215 cm mit Solarzelle)
  • Länge 120 cm (200 cm mit Bank)
  • Breite 80 cm (160 cm mit Bank)
  • Begrünte Fläche: 4,8 m²
  • Begrünungsfaktor (Verhältnis Grünfläche / Grundfläche): 5
  • Volumen Zisterne: 250 Liter
  • Leergewicht (ohne Wasser): ca. 800 kg
  • Transport mit Palettenhubwagen möglich

Bepflanzung

  • ca. 40 unterschiedliche Pflanzenarten
  • Vertikale Sonnenseite: hitze- und trockenresistenter Rasen
  • Vertikale Halbschatten- und Schattenseite: Kräuter- und Duftwiese
  • Deckfläche: ca. 10 Stauden mit Blüh- und Duftcharakter sowie essbare Kräuter und Beerenobst

Deine Meinung ist gefragt

Hier steht ein Prototyp eines mobilen vertikalen Gartens

Häufige Fragen

F: Welchen Zweck hat MobiGa?
A: Wir möchten neue Möglichkeiten erkunden, wie man versiegelte und im Sommer häufig überhitzte Innenstadtflächen mit Pflanzen aufwerten kann. Insbesondere möchten wir prüfen, ob und wie Pflanzen die direkte Umgebung abkühlen und so für den Menschen ein bessere Wohlfühlatmosphäre bieten können.

F: Warum so einen Aufwand? Wäre es nicht besser und einfacher einen Baum oder Sträucher zu pflanzen?
A: Dies ist leider gerade in Innenstädten nur sehr schwer realisierbar. Folgende Gründe sprechen meist dagegen:

  • Der Untergrund ist meist von vielen Leitungen für Strom, Gas, Wasser und Kommunikation durchzogen. Diese Leitungen müssten erst verlegt werden. Zudem reicht es nicht einfach ein Loch für einen Baum auszuheben. Die Wurzeln müssen auch genügend Wasser bekommen. Daher müssen die Bäume in den ersten Jahren regelmäßig bewässert werden. Eine Baumpflanzung ist daher sehr teuer und kostet oft über 10.000 Euro. 
  • Gerade in Innenstadtbereichen werden viele Flächen für eine vielfältige und vorübergehende Nutzung benötigt. Sei es der Wochenmarkt, ein Straßenfest oder die Außenbestuhlung eines Restaurants. Für dauerhafte Pflanzungen direkt in den Boden ist dann kaum mehr Platz. Mobile Lösungen, wie z.B. mit MobiGa, sind hier deutlich flexibler. Wenn die Fläche mal für einen anderen Zweck gebraucht wird, kann die Pflanzeninsel einfach an eine andere Stelle transportiert werden.
  • In bestimmten Fällen spricht auch der Denkmalschutz gegen eine dauerhafte Bepflanzung. Eine mobile und temporäre Begrünung ist dagegen meist problemlos möglich.

F: Warum vertikaler Garten? Warum nicht einfach ein Hochbeet?
A: Durch die vertikale Bepflanzung können auf der gleichen Grundfläche viele mehr Pflanzen wachsen als bei einer horizontalen Variante. Dieser Mehrwert oder Mehrfläche nennen wir auch „Begrünungsfaktor“. Die ist das Verhältnis der Grundfläche zur Grünfläche. Bei dem MobiGa-System am Stiftsplatz liegt dieses Verhältnis bei 5. Dies bedeutet, dass auf 1 m² Grundfläche 5 m² bepflanzt werden können. Bei einigen unserer Prototypen konnten wir sogar einen Begrünungsfaktor von 10 erreichen. Ein weiterer Vorteil von vertikalen Systemen liegt darin, dass damit auch ein Schallschutz erreicht werden kann. Dies ist vor allem bei Aufbauten in der Nähe von lauten Verkehrsstraßen interessant. Zudem können vertikale Systeme Feinstaub besser aus der Umgebungsluft binden.

F: Wie lange steht das MobiGa-System in Ingelheim?
A: Voraussichtlich bis Ende Oktober 2021

F: welche Kosten hat die Stadt Ingelheim mit MobiGa?
A: Keine. Die Stadt stellt uns nur den Platz zur Verfügung. Alle weiteren Aufwendungen werden über das Forschungs- und Entwicklungsprojekt abgewickelt.

F: Warum blüht hier so wenig?
A: Im Gegensatz zu den sonst üblichen Pflanzen- und Blumenarrangements im Innenstadtbereich sollen die MobiGa-Systeme eine Vielzahl von Funktionen erfüllen:

  1. Die Pflanzen sollen möglichst viel Wasser verdunsten, um so die direkte Umgebungsluft etwas abzukühlen. Dies funktioniert am besten mit viel Blattoberfläche, wie z.B. mit den Gräsern und den Kräutern den vertikalen Wiesenflächen.
  2. Das System soll möglichst nachhaltig gestaltet sein und wenig Pflege benötigen. Viele Blühpflanzen blühen jedoch nur kurze Zeit. Für eine ganzjährige Blüte müssten diese dann immer wieder ersetzt werden. In diesem MobiGa-System haben wir daher überwiegend winterharte Stauden eingesetzt, die erst im Laufe des Sommers und Herbst blühen. Manche davon blühen erst im zweiten oder dritten Jahr. Zudem wurde darauf geachtet, dass einige Pflanzen besonders gut riechen oder essbar sind. Auch wollten wir giftige Pflanzen vermeiden. Schließlich sollen einige Pflanzen auch für Wildbienen attraktiv sein, die vor allem im Herbst nur schwer Nahrung finden. Vor diesem Hintergrund haben wir auch eine kleines Wildbienenhotel verbaut. 
  3. Die vertikale Wiese ist auch um Anlehnen gedacht. Für viele Gräser ist dies kein Problem. Allerdings gibt es nur wenige Blühpflanzen, die diesen Belastungen standhält.
  4. Pflanzen haben ganz unterschiedliche Nährstoff- und Standortsbedingungen. Daher muss man bei der Auswahl gut abwägen, welche Pflanzen zusammen in einem MobiGa-System vergesellschaftet werden. Hier sind wir auch noch viel am Experimentieren. 

F: Werden wir von den Wildbienen nicht gestochen?
A: Das ist sehr unwahrscheinlich. Wildbienen bilden keinen Statt, den sie verteidigen müssen und daher haben sie auch keinen Grund zum Stechen. Nur wenn man sie ärgert! Daher gilt: bevor man sich hinsetzt und an die Wiesen anlehnt, sollte man immer vorher prüfen, ob man nicht eine Wildbiene in Bedrängnis bringt oder verletzen könnte. Sollte dies doch mal versehentlich passieren, wird dies kein schmerzender Stich wie bei einer Honigbiene oder einer Wespe sein. Wildbienen keinen oder nur einen sehr kleinen Stachel zur Verteidigung. Unsere Haut kann dieser kaum durchdringen. Einige Wildbienen haben aber auch einen sehr großen Stachel. Jedoch handelt es sich dann um sogenannte Ovipositor. Dies ist eine Legestachel, der bis zu mehreren Zentimeter lang sein kann. Zur Verteidigung kann dieser nicht eingesetzt werden. 

F: Wie funktioniert die Abkühlung der Umgebung mit MobiGa?
A: Hier kommen mehrere Effekte zum tragen: 

  1. Erzeugung von Verdunstungskälte über das System. Indem die Oberfläche des MobiGa-Systems immer leicht feucht gehalten wird, verdunstet Wasser. Das bedeutet, das Wasser wechselt seinen Zustand von flüssig in gasförmig. Dieser Vorgang benötigt jedoch Energie in Form von Wärme. Diese Wärme wird aus der Umgebungsluft entzogen und die Luft wird abgekühlt.
  2. Pflanzen geben über Blattoberfläche Feuchtigkeit ab. Durch diesen „Schwitzvorgang“ wird der Luft ebenfalls Wärme entzogen und es kommt zu einer Abkühlung der Umgebungsluft.
  3. Die Zisterne und der Substratkern des MobiGa-Systems wirkt als Puffer für Temperaturschwankungen. An heißen Sonnentagen ist der Kern des Systems noch deutlich kühler. Umgekehrt kann in kühlen Nächten das System Wärme abgeben.
  4. Durch den Schattenwurf entsteht ebenfalls eine Abkühlung.

F: Wie groß ist der Kühleffekt des MobiGa-Systems?
A: Für diesen Prototypen können wir dies noch nicht genau sagen. Wir führen über den Sommer regelmäßig wissenschaftliche Messungen mit einer Klimastation durch. Aus den Ergebnissen des Vorjahrs an einem ähnlichen Systems konnten wir eine Abkühlung von bis zu 2°C in der unmittelbaren Umgebung feststellen. Die Oberfläche war sogar bis zu 10°C kühler. Natürlich kann bei der kleinen Dimension eines MobiGa-Systems nicht ein ganzer Platz abgekühlt werden. Möglicherweise kann dies jedoch gelingen, wenn mehrere Systeme nebeneinander aufgestellt werden. Bei diesem System soll der Effekt vor allem dann spürbar werden, wenn man sich direkt hinsetzt und ggf. anlehnt. 

F: Warum hat das MobiGa-System eine Solarzelle?
A: Das System braucht Strom, damit das Wasser von der integrierten Zisterne zu den Pflanzen gelangen kann. Vertikale Systeme brauchen zudem ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, damit überall gleichmäßig das Wasser verteilt wird. Damit dies automatisch geschehen kann, sind auch noch weitere Sensoren zur Messung der Bodenfeuchte, Temperatur und Wasserdurchfluss verbaut. Außerdem wird das überschüssige Wasser wieder in die Zisterne zurückgeführt. Zudem übermittelt uns das System regelmäßig Informationen zum Status wie Wasserfüllstand oder aktuelle Bodenfeuchte. Über eine App können wir auch Änderungen an den Bewässerungseinstellungen vornehmen.

F: Welche weiteren Besonderheiten in Bezug auf Nachhaltigkeit, Systemaufbau und Einsatzmöglichkeiten haben die MobiGa-Systeme sonst noch?
A: Auf der Startseite des Projektes sind hierzu ausführliche Informationen, siehe: www.mobiga.info.

F: Gibt es die MobiGa-Systeme bereits zu kaufen?
A: Nein. Derzeit befinden wir uns noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase. Im Laufe des Jahres 2021 möchten wir ein Start-Up gründen mit dem wir die Prototypen zur Marktreife bringen. Ab dem Jahr 2023 möchten wir die Systeme auf dem Markt bringen. Übrigens, hier suchen wir noch Partner für Testanwendungen, Kooperationen, Sponsoren und Investoren.

F: Wofür steht der Begriff MobiGa?
A: MobiGa steht für den Projekttitel: „Vertikale mobile Gärten als Instrument zur Anpassung an den Klimawandel im urbanen Raum und in Gebäuden – Entwicklung eines autarken modularen Systems“.​

F: Wer steckt hinter MobiGa?
A: Wir sind ein Forschungsverbund aus den Unternehmen UDATA GmbH, Palaterra Betriebs- und Beteiligungsgesellschaft mbH und der Technischen Hochschule Bingen.​

F: Wer finanziert das Projekt?
A: Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Fachprogramms „Forschung für nachhaltige Entwicklung (FONA³)“ der Bundesregierung finanziell gefördert. Ziel des Programmes ist es, das Innovationspotential in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) im Bereich der Spitzenforschung zu stärken.​ Die beteiligten Unternehmen erhalten jedoch nur einen finanziellen Zuschuss in Höhe von 60%. Hochschulen erhalten eine Förderung von 100%.

F: Gibt es noch weitere Prototypen und wo erhalte ich noch weitere Informationen zum Projekt?
A: Ja, besuchen Sie unsere Projektseite www.mobiga.info oder Sie dürfen uns auch gerne kontaktieren.

Was wächst denn da?

Essbare Kräuter und Beeren

Klettererdbeere – Fragaria ananassa

Blütezeit: ab Mitte Mai

Früchte: ab Juni bis Frostbeginn

Besonderheiten: Ideal für Spaliere und Zäune

Stauden & Sträucher

Borretsch – Borago officinalis

Blütezeit: Mai bis September

Besonderheiten: Heil- und Gewürzpflanze, Bienenweide, Duftpflanze (Gurkengeruch), winterhart

Rosmarin – Salvia rosmarinus

Blütezeit: April bis Juni

Besonderheiten: Insektenweide, Duft- und Gewürzpflanze, immergrün

Harfenstrauch – Plectranthus coleoides

Blütezeit: März und September

Besonderheiten: der Harfenstrauch wird auch noch als Weihrauchpflanze oder Mottenkönig bezeichnet. Die Blätter haben einen intensiven and angenehmen würzigen Duft, ähnlich wie Weihrauch. Die Pflanze ist nicht winterhart.

Polsterthymian – Thymus serpyllum

Blütezeit: Juni bis August

Besonderheiten: immergrün, duftenden Blätter, Gewürzkraut, Bienenweide

Eukalyptus – Eucalyptus gunnii

Blütezeit: September bis Dezember

Besonderheiten: Heilpflanze, immergrün, duftenden Blätter

Zitronenverbene – Lippia citriodora

Blütezeit: Juni bis August

Besonderheiten: Teekraut, Würzkraut, Duftkraut, wirft im Winter die Blätter ab, bedingt winterhart

Gräser (Vertikale Sonnenseite)

Deutsches Weidelgras – Lolium perenne

Blütezeit: Mai bis Herbst

Besonderheiten: wächst in Horsten, robust gegen Hitze und Trockenheit

Wiesen-Rispengras – Poa pratensis

Wuchshöhe: 20 – 60 cm

Blütezeit: Mai bis Herbst

Besonderheiten: trittfest, robust gegen Hitze und Trockenheit

Rohrschwingel – Festuca arundinaceae

Blütezeit: Juni bis August

Besonderheiten: sehr robust gegen Hitze und Trockenheit

Wiese (Vertikale Halbschatten- und Schattenseite)

Mischung aus über 40 heimische Kräuter und 3 Gräserarten

Blütezeit: März bis Oktober